Fachbereich Frauenarbeit im Bischöflichen Generalvikariat Aachen
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Sabine Mevissen ist im Bistum Aachen die dienstälteste Frauenseelsorgerin.

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Aus der KirchenZeitung, Ausagbe 11/2016

Überlebensstrategie für die Kirche

Interview mit Seelsorgerin Sabine Mevissen über zehn Jahre Frauenseelsorge in der Region Heinsberg

Die Frauenseelsorge im Bistum Aachen gibt es seit zehn Jahren. Sabine Mevissen, Seelsorgerin in der Region Heinsber, ist seit Beginn dabei und hat der Frauenseelsorge ein Gesicht gegeben. In dieser Zeit entstanden viele Kontakte und Kooperationen.

Wie sind Sie zur Frauenseelsorge gekommen?
Ich wurde gefragt, ob ich die Frauenseelsorge in der Region mit entwickeln möchte. Im Jahr 2005 war das Bistum regelrecht in Not, denn die Regionalstellen waren aufgelöst, und eine Frauenreferentin gab es nicht mehr. Die Frage stand im Raum, was wir mit der Frauenseelsorge machen.
2006 fingen wir mit der Konzeptgestaltung an. Das Konzept sah vor, eine konkrete Ansprechpartnerin in der Region zu haben, die für die bestehenden Frauengruppen vor Ort da sein sollte. Gleichzeitig galt es zu schauen, was das Eigenprofil von Frauenseelsorge ist.


Wie sah und sieht das Eigenprofil aus?
Es geht darum, Frauen in Lebens- und Glaubensfragen zu begleiten, ihnen Gehör zu schenken und eine Stimme zu verleihen sowie Angebote zu realisieren, zu unterstützen und zu vernetzen. Zu Beginn ging es darum, religiöse, spirituelle und politische Themen im Alltag an die Frauen zu bringen. In den Gemeinschaften der Gemeinden und Pfarreien habe ich die Frauen angesprochen und gefragt, was sie sich wünschen, und Besinnungsnachmittage gemacht.


Hat sich die Frauenseelsorge in den zehn Jahren verändert?
Was ich mir damals nicht so vorstellen konnte war, dass die Vernetzung eine so große Rolle spielt. Im Laufe der Jahre sind viele Kooperationen wie zum Beispiel mit dem Katholischen Forum entstanden. Es besteht eine sehr gute Vernetzung mit der KFD (Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands). Wir bereiten gemeinsam den Weltgebetstag vor sowie die alljährliche regionale Frauenwallfahrt zum Birgelener Pützchen, die diesmal unter der Überschrift „Hinein ins Leben“ steht. Auch andere Kooperationen mit Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen Bereichen der Seelsorge sind in den Jahren gewachsen. Die Frauenseelsorge entwickelt sich so weiter und bekommt viele neue Impulse.

Ist das ein Grund, warum sich im Jahresprogramm immer wieder neue Angebote finden lassen?
Sicherlich. Ich habe im Laufe der Jahre viele Kontakte zu ganz unterschiedlichen Menschen geknüpft. Eine von ihnen ist Agnes Erkens. Ich erfuhr von ihrem Angebot „Heilsames Singen“. Dies stieß bereits vor zwei Jahren auf eine sehr gute Resonanz bei den Frauen, so dass wir es dieses Jahr wieder anbieten. Andere Angebote entstehen auf Anregungen der Teilnehmerinnen, die meine Kolleginnen und ich aufgreifen. Dies führte dazu, dass wir im letzten Jahr nach Israel gefahren sind. Durch ein Gespräch mit meiner Kollegin Rita Pehl in Steinfeld ergab sich, dass wir am Frauenpilgertag zum Matronenheiligtum in Nettersheim in der Eifel pilgern werden. Die Frauen sind letztendlich die größten Ideengeber. Das liegt daran, dass wir alle im Gespräch miteinander sind. Dies führt widerum dazu, dass wir lebendige Angebote haben. In den letzten zehn Jahren habe ich keine einzige Veranstaltung absagen müssen. Meine Erwartungen sind übertroffen worden, was das Interesse der Teilnehmerinnen anbelangt.


Was bedeuten für Sie persönlich zehn Jahre in der Frauenseelsorge?
Ich habe eine Freiheit, als Seelsorgerin unterwegs zu sein, die ich mir so nicht vorstellen konnte. Diese Freiheit beinhaltet die Gestaltung der Angebote sowie die Kooperationen, die ich eingehe. Dies alles erlaubt mir, die Seelsorge so zu gestalten, wie das für die Frauen nutzbar und interessant ist. Ich muss niemanden in ein Angebot pressen. Ganz im Gegenteil: Ich mache ein Stück weit die Tür auf und gebe einen Anstoß. Wie jeder dies nutzt und was er mitnehmen möchte, bleibt ihm selbst überlassen.


Wo geht die Frauenseelsorge hin, wie ist die Perspektive für die nächsten zehn Jahre?
Die Frauenseelsorge wird weiterhin die Menschen sammeln, die sich vor Ort nicht zu Hause fühlen. Die Frauen schauen nicht, wer der Veranstalter ist, sondern lassen sich durch die Angebote locken. Dies ist der Ist-Zustand. Sie kommen nicht, weil wir sagen, wir sind die katholische Kirche. Wünschen würde ich mir, dass die Frauen in der Kirche ihr Zuhause finden, sich angebunden fühlen. Die Kirche hat eine riesigen Schatz. Dies konnten die Frauen in den letzten zehn Jahren erleben. Allerdings braucht es immer auch Menschen, die sich stark machen. Das Bistum Aachen tut gut daran, weiter und intensiver in die Frauenseelsorge zu investieren. Das ist nicht nur eine Frage von Prestige, Innovation und Mehrwert. Es wird eine Überlebensstrategie sein. Die katholische Kirche geht weiter mit den Frauen.

Das Gespräch führte Eva Weingärtner.


Veröffentlicht am 10.03.2016

 
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